Säule C: Probleme

Elisabethenstrasse 53

Bedrohte Saatgut-Vielfalt

Nur durch eine ausreichende Vielfalt verschiedener Pflanzeneigenschaften kann im Anbau auf Klima- oder andere Einflüsse reagiert werden. Durch die zunehmende Konzentration des Saatgutmarkts auf wenige Agrokonzerne nimmt auch die Vielfalt an Saatgut ab. Je geringer die Saatgutvielfalt, desto schwieriger wird es, durch züchterische Massnahmen auf neue Herausforderungen zu reagieren.

Faktoren, die zum Biodiversitätsverlust beitragen

Bedeutung der Biodiversität

Für unsere Ernährung und Umwelt ist die Biodiversität zentral. Sie wirkt sich auf die Bodenfruchtbarkeit und die Grundwasserreinigung aus.

Wird das System durch äussere Einflüsse gestört, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich das System davon erholt, umso höher, je vielfältiger es ist. Ein vielfältiger Lebensraum ist auch produktiver. Das positive Zusammenspiel (Symbiose) verschiedener Arten führt zu einer höheren Produktivität des Individuums.

Die Biodiversität ist weltweit erheblich bedroht. Rund 50 Prozent der Arten aller Spezies sind gefährdet und rund eine Million Pflanzen- und Tierarten sind vom Aussterben bedroht.

Diversität der Kulturpflanzen

Wird eine Pflanzensorte mit besonderen Eigenschaften (z.B. Toleranz gegen Trockenheit) nicht mehr angebaut und vermehrt, gehen diese Eigenschaften mit der Sorte verloren.

Kombiniert man im Anbau verschiedene Pflanzensorten oder Pflanzenarten, kann die Resistenz gegen Schädlings- oder Krankheitsbefall deutlich erhöht werden. Der Einsatz von Chemikalien wie Pestiziden ist dann hinfällig.

75 Prozent der genetischen Diversität unserer Kulturpflanzen ging bereits verloren. Auch in der Schweiz ist die Biodiversität stark gefährdet. Die Hälfte aller einheimischen Arten sind verschwunden oder potenziell bedroht. In der Schweiz werden heute rund 18’700 Sorten von 245 verschiedenen Kulturpflanzenarten erhalten. Nur ein Bruchteil davon landet auf unserem Teller. Angeboten werden meist nur wenige, leicht anbaubare und vermarktbare Sorten.

Gentechnische Eingriffe

Wir sprechen von einem gentechnisch veränderten Organismus (GVO), wenn das Erbgut (DNA) des Organismus im Labor mittels molekularbiologischer Prozesse verändert wurde. Beispielsweise wurden Sojapflanzen gentechnisch so verändert, dass sie gegen ausgebrachte Pestizide resistent sind. Maispflanzen wurden Fremdgene eingefügt, die dafür sorgen sollen, dass die Pflanzen selber ein Gift gegen bestimmte Schädlinge produzieren.

Marktsituation von GVO (Stand 2019)

Weltweit werden auf rund 12 Prozent der global genutzten Landwirtschaftsfläche gentechnisch veränderte Pflanzen eingesetzt. Die Tendenz ist leicht rückläufig. Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen konzentriert sich auf fünf Länder (USA, Brasilien, Argentinien, Kanada und Indien), die zusammen rund 91 Prozent des globalen GVO-Anbaus abdecken. 

Hauptsächlich angebaut werden GV-Soja, Mais, Baumwolle und Raps. Der Marktanteil von GVOs liegt bei Soja bei knapp 80 Prozent, bei Mais etwas mehr als 30 Prozent, bei der Baumwolle bei über 80 Prozent und bei Raps bei ca. 30 Prozent.

In 17 europäischen Ländern ist der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verboten. In der Schweiz unterliegt der kommerzielle GVO-Anbau einem Moratorium, das den Anbau praktisch verbietet. Freisetzungen von GVO zu Forschungszwecken sind aber weiter erlaubt. Schweizer GVO-Importe im Lebens- und Futtermittelbereich sind mit einer entsprechenden Kennzeichnung theoretisch möglich, faktisch allerdings heute inexistent.

Risiken

  • Mögliche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sind nicht berechenbar
  • Wechselwirkungen im Zielorganismus sind unbekannt
  • Verschärfung der Monokultur-Problematik (u.a. hoher Pestizidverbrauch)
  • Resistenzbildungen bei Unkräutern und Schädlingen führen zu erhöhtem Pestizideinsatz
  • Übertragung der Fremdgene auf Wildpflanzen und angrenzende Kulturen
  • Verunreinigungen im Warenfluss

«Neue» Gentechnik

Sogenannte «Neue gentechnische Verfahren» sind gentechnische Eingriffe mittels «Genscheren» (CRISPR/CAS). So sollen gezielte gentechnische Veränderungen einfacher durchführbar sein. DNA-Abschnitte sollen leichter verändert, ausgeschaltet oder gleich ganz ersetzt werden können. Das Risikopotenzial des Verfahrens ist bisher nicht einschätzbar. Es können ungeplante und ungewünschte Ergebnisse auftreten.

Pestizide – ein gefährliches Gift

Pestizide sind meist chemisch-synthetische Substanzen, welche in der Landwirtschaft unerwünschte Tiere, Pflanzen oder Pilze schädigen oder abtöten sollen. Der Anbau in Monokulturen und der Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen führen vor allem in den Ländern des globalen Südens zu einem hohen Einsatz an Ackergiften. Gefährdet wird neben der Gesundheit der Menschen auch die Umwelt und das Grundwasser.

Globale Situation

Weltweit werden heute jährlich mehr als drei Millionen Tonnen Pestizide angewendet. Brasilien und die USA verbrauchen allein jeweils ein Fünftel aller Pestizide, der globale Süden die Hälfte. In der Schweiz waren es im Jahr 2019 an die 2000 Tonnen. Der Pestizidmarkt wird von vier Grosskonzernen dominiert: Syngenta/ChemChina, Monsanto/Bayer, DowDupont und BASF. 

Die Problematik der HHPs (Highly Hazardous Pesticides)

Diese sogenannt hochgefährlichen Pestizide weisen ein besonderes Gefahrenpotenzial für die Gesundheit von Mensch und Tier und die Umwelt auf. 40 Prozent der von Syngenta/ChemChina verkauften Pestizide fallen unter diese besonders gefährliche Kategorie. Eingesetzt wird das Gift vor allem in Ländern des Südens, da die gesetzlichen Regulierungen dort nicht so streng sind. Pestizide, die in der Schweiz und in Europa verboten sind, werden von den hier ansässigen Firmen trotzdem verkauft – mit teils verheerenden Auswirkungen für die jeweilige lokale Bevölkerung und die Umwelt.